Stellenanzeigen mit transparenter Gehaltsangabe nennen die Vergütung einer Stelle, meist als Gehaltsspanne, direkt in der Anzeige. Was als Employer-Branding-Entscheidung begann, wird in vielen Märkten zur gesetzlichen Pflicht: In der EU verpflichtet die Entgelttransparenzrichtlinie Arbeitgeber, Bewerbenden das Einstiegsentgelt oder dessen Spanne vor dem Vorstellungsgespräch mitzuteilen, sobald der jeweilige Mitgliedstaat sie in nationales Recht umgesetzt hat. Mehrere US-Bundesstaaten und kanadische Provinzen verlangen die Spanne sogar direkt in der Anzeige.
Die Verbreitung ist noch uneinheitlich. Die TalentUp-Analyse von 22,3 Millionen Stellenanzeigen, die zwischen Januar und September 2026 veröffentlicht wurden, zeigt: Rund 58 % der Anzeigen im Vereinigten Königreich nennen ein Gehalt, aber nur etwa 22 % in Deutschland und 17 % in Italien, obwohl die Umsetzungsfrist der EU-Richtlinie inzwischen abgelaufen ist.
Für HR- und Talent-Acquisition-Teams lautet die Frage nicht mehr, ob sie die Vergütung offenlegen, sondern wie sie Spannen veröffentlichen, die wettbewerbsfähig sind, zu den Gehältern der aktuellen Mitarbeitenden passen und für Bewerbende glaubwürdig sind, die sie mit Marktdaten abgleichen werden. Dieser Leitfaden behandelt die Vorteile, die Regeln, eine Vorlage zum Kopieren und die Fehler, mit denen Gehaltstransparenz nach hinten losgeht.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine transparente Stellenanzeige nennt eine konkrete Gehaltsspanne, deren Basis (brutto, jährlich oder monatlich) und etwaige variable Vergütung.
- Während die EU-Länder die Entgelttransparenzrichtlinie umsetzen, müssen Bewerbende vor dem Vorstellungsgespräch Informationen zur Gehaltsspanne erhalten, und Arbeitgeber dürfen nicht mehr nach dem bisherigen Gehalt fragen.
- Nennen Sie eine realistische Einstiegsspanne auf Basis aktueller Marktdaten, nicht das gesamte Band oder eine Zahl, die Angebote niedrig halten soll.
- Prüfen Sie vor der Veröffentlichung die Vergütung der Mitarbeitenden in derselben Rolle, damit öffentliche Spannen keine unerklärten Unterschiede offenlegen.
Was ist eine Stellenanzeige mit transparenter Gehaltsangabe?
Eine Stellenanzeige mit transparenter Gehaltsangabe sagt Bewerbenden, was die Stelle zahlt, bevor sie sich bewerben. Sie enthält mindestens eine Gehaltsspanne; gute Anzeigen erklären zudem, wie die Spanne zu verstehen ist und was sonst zum Gesamtpaket gehört. Ganz anders das klassische „attraktive Vergütung“ oder „je nach Erfahrung“: Solche Formulierungen geben Bewerbenden keine Information und zwingen beide Seiten, das Budget erst spät im Prozess herauszufinden.
Ein vollständiger Gehaltsabschnitt beantwortet fünf Fragen:
- Wie viel? Eine Gehaltsspanne für die konkrete Rolle und das Level, zum Beispiel 65.000–75.000 €.
- Auf welcher Basis? Brutto oder netto, jährlich oder monatlich, und gegebenenfalls die Anzahl der Zahlungen (12 oder 14 in manchen Ländern).
- Was noch? Bonus, Provision, Unternehmensbeteiligung oder andere variable Vergütung, getrennt vom Grundgehalt angegeben.
- Welche Benefits? Diejenigen, die für den Vergleich wichtig sind, etwa Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge, private Krankenversicherung oder zusätzliche Urlaubstage.
- Wo? Der Arbeitsort oder die Remote-Regelung, denn viele Arbeitgeber vergüten je nach Standort unterschiedlich.
Gehaltstransparenz in Stellenanzeigen: TalentUp-Daten 2026
~58 %
der Stellenanzeigen im Vereinigten Königreich nennen ein Gehalt
~22 %
sind es in Deutschland, ~17 % in Italien
19 %
mediane Breite der ausgeschriebenen Gehaltsspannen in Spanien und im Vereinigten Königreich
Quelle: TalentUp-Datenbank für Stellenanzeigen, Januar–September 2026. Mindestschätzungen, siehe Methodik unten.
Die TalentUp-Datenbank für Stellenanzeigen zeigt, wie weit die meisten europäischen Märkte noch von voller Transparenz entfernt sind:
| Land |
Anzeigen mit Gehalt (Mindestschätzung) |
Mediane Spannenbreite |
| Vereinigtes Königreich |
~58 % |
19 % |
| Niederlande |
~50 % |
29 % |
| Polen |
~35 % |
22 % |
| Spanien |
~27 % |
19 % |
| Frankreich |
~25 % |
21 % |
| Deutschland |
~22 % |
27 % |
| Irland |
~21 % |
23 % |
| Belgien |
~19 % |
30 % |
| Italien |
~17 % |
16 % |
| Portugal |
~11 % |
34 % |
| USA (zum Vergleich) |
~56 % |
25 % |
Zwei Muster fallen auf. Erstens: Außerhalb des Vereinigten Königreichs und der Niederlande veröffentlichen die meisten Arbeitgeber in Europa das Gehalt noch immer nicht in der Anzeige. Das wird sich ändern, sobald die nationalen Gesetze zur Umsetzung der Richtlinie greifen. Zweitens: Wenn Spannen veröffentlicht werden, sind sie meist recht eng. In den meisten Ländern ist die typische Spanne 20–30 % breit, zum Beispiel 40.000–50.000 €.
Warum Gehaltsspannen veröffentlichen: Vorteile für Arbeitgeber und Bewerbende
Passendere Bewerbungen und ein schnellerer Prozess
Ist die Spanne sichtbar, bewerben sich Personen, deren Erwartungen weit über dem Budget liegen, gar nicht erst, und wer sich bewirbt, akzeptiert den Rahmen bereits. Recruiter verbringen weniger Zeit mit Gesprächen, die in der Angebotsphase scheitern, und weniger Angebote werden wegen des Gehalts abgelehnt.
Eine stärkere Arbeitgebermarke
Offenheit beim Gehalt ist ein Signal für Fairness. Bewerbende übergehen zunehmend Anzeigen, die das Gehalt verschweigen, und eine ehrliche Spanne ist eine der einfachsten Möglichkeiten zu zeigen, dass Ihr Unternehmen eine klare, begründbare Vorstellung davon hat, was jede Rolle wert ist.
Fairere, konsistentere Angebote
Eine veröffentlichte Spanne verankert das Einstiegsgehalt an der Rolle statt am bisherigen Verdienst der einzelnen Bewerbenden. Das verringert den Spielraum für Unterschiede zwischen Personen, die für dieselbe Stelle eingestellt werden, und genau das sollen Regeln zur Entgeltgleichheit und die EU-Entgelttransparenzrichtlinie verhindern.
Was Bewerbende gewinnen
- Kein Rätselraten: Bewerbende wissen früh, ob eine Stelle zu ihren finanziellen Bedürfnissen passt.
- Bessere Verhandlungen: Sie verhandeln innerhalb einer bekannten Spanne, auf Basis von Kompetenzen und Erfahrung statt durch Bluffen.
- Gerechtere Ergebnisse: Weil die Spanne für alle gleich ist, werden Menschen, die weniger gern verhandeln, seltener unterbezahlt.
Gesetze zur Gehaltsangabe in Stellenanzeigen
Entgelttransparenz im Recruiting entwickelt sich rasch von guter Praxis zur gesetzlichen Pflicht. Die folgenden Abschnitte fassen die wichtigsten Regeln zusammen; prüfen Sie immer das aktuelle lokale Recht dort, wo Sie einstellen, denn Schwellenwerte und Details ändern sich.
Europäische Union
Die Richtlinie (EU) 2023/970 verpflichtet Arbeitgeber, Bewerbenden das Einstiegsentgelt oder dessen Spanne für die Stelle vor dem Vorstellungsgespräch mitzuteilen, in der Stellenausschreibung oder auf anderem Weg, auf Grundlage objektiver, geschlechtsneutraler Kriterien. Arbeitgeber dürfen Bewerbende nicht nach ihrer bisherigen Entgeltentwicklung fragen, und Stellenausschreibungen sowie Berufsbezeichnungen müssen geschlechtsneutral sein. Die Richtlinie verpflichtet nicht dazu, die Spanne in der Anzeige selbst abzudrucken, aber sie dort zu veröffentlichen, ist der einfachste Weg, die Vorgaben zu erfüllen, und das klarste Signal an Bewerbende.
Die Mitgliedstaaten mussten die Richtlinie bis zum 7. Juni 2026 umsetzen, doch die Umsetzung ist uneinheitlich: Im September 2026 berichtete Euronews, dass nur eine Handvoll Länder, darunter Italien, sie vollständig umgesetzt hatten, während Deutschland sein Gesetz auf 2027 verschoben hatte. Prüfen Sie die nationalen Regeln in jedem Land, in dem Sie einstellen, denn sie können über die Richtlinie hinausgehen.
Für Arbeitgeber in der EU verlagert die Richtlinie außerdem die Beweislast auf den Arbeitgeber, wenn es um Entgeltdiskriminierung geht. Spannen, die sich nicht mit objektiven, geschlechtsneutralen Kriterien begründen lassen, sind daher ein rechtliches Risiko, nicht nur ein Imagerisiko. Alle Pflichten im Überblick finden Sie in unserem vollständigen Leitfaden zur Vorbereitung auf die EU-Entgelttransparenzrichtlinie.
USA
Eine bundesweite Pflicht gibt es nicht, aber immer mehr Bundesstaaten verlangen eine in gutem Glauben festgelegte Gehaltsspanne in Stellenanzeigen. „In gutem Glauben“ ist entscheidend: Eine Spanne von 40.000–400.000 $ für eine Stelle, die Sie bei 90.000–110.000 $ besetzen wollen, mag den Buchstaben des Gesetzes erfüllen, zieht aber die Aufmerksamkeit der Behörden und den Unmut der Bewerbenden auf sich. Viele dieser Gesetze gelten auch für Remote-Stellen, die im jeweiligen Bundesstaat ausgeübt werden könnten, und mehrere verlangen eine Beschreibung der Benefits.
| Bundesstaat |
Betroffene Arbeitgeber |
In Kraft seit |
Hinweise |
| Colorado |
Alle Arbeitgeber |
Jan. 2021 |
Spanne plus Beschreibung der Benefits und sonstigen Vergütung |
| Kalifornien |
Ab 15 Beschäftigten |
Jan. 2023 |
Spanne in der Anzeige; aktuelle Mitarbeitende können ihre Spanne erfragen |
| Washington |
Ab 15 Beschäftigten |
Jan. 2023 |
Spanne plus allgemeine Beschreibung der Benefits |
| Bundesstaat New York |
Ab 4 Beschäftigten |
Sep. 2023 |
Gilt für Stellen, die in New York ausgeübt werden oder an New York berichten (New York City seit Nov. 2022) |
| Hawaii |
Ab 50 Beschäftigten |
Jan. 2024 |
Spanne oder Stundensatz, der widerspiegelt, was Sie zu zahlen erwarten |
| Maryland |
Ab 15 Beschäftigten |
Okt. 2024 |
Spanne plus allgemeine Beschreibung der Benefits |
| Illinois |
Ab 15 Beschäftigten |
Jan. 2025 |
Spanne plus allgemeine Beschreibung der Benefits |
| Minnesota |
Ab 30 Beschäftigten |
Jan. 2025 |
Spanne oder fester Vergütungssatz plus Beschreibung der Benefits |
| New Jersey |
Ab 10 Beschäftigten |
Jun. 2025 |
Spanne plus allgemeine Beschreibung der Benefits |
| Vermont |
Ab 5 Beschäftigten |
Jul. 2025 |
Spanne in Anzeigen |
| Massachusetts |
Ab 25 Beschäftigten |
Okt. 2025 |
Spanne in Anzeigen |
Kanada
British Columbia verlangt seit November 2023 die Angabe des erwarteten Gehalts oder der Gehaltsspanne in öffentlich ausgeschriebenen Stellen. Ontario schreibt seit dem 1. Januar 2026 für Arbeitgeber mit 25 oder mehr Beschäftigten eine Gehaltsspanne in öffentlich ausgeschriebenen Stellen vor; die Spanne darf nicht breiter als 50.000 CAD sein bei Stellen mit einer Vergütung von bis zu 200.000 CAD. Andere Provinzen, etwa Prince Edward Island und New Brunswick, haben eigene Regeln.
Kathryn Tremblay, Mitgründerin und Inhaberin der kanadischen Personalberatung Altis Recruitment & Technology, bewertete die neuen Regeln in Ontario eine Woche nach ihrem Inkrafttreten und fragte, ob eine so großzügige gesetzliche Obergrenze Bewerbenden wirklich hilft:
Kathryn TremblayMitgründerin und Inhaberin, Altis Recruitment & Technology Inc.
Ich sehe Vor- und Nachteile sowie viel anhaltende Unsicherheit, während Arbeitgeber auf klarere Leitlinien warten. […] Werden Gehaltsangaben den Einstellungsprozess verbessern? Passendere Bewerbende anziehen? Die Entgeltgleichheit verbessern? Schafft eine Spanne von bis zu 50.000 $ wirklich Klarheit?
Gesetze ändern sich häufig. Betrachten Sie diese Tabellen daher als Überblick und lassen Sie die aktuellen Anforderungen von einer lokalen Rechtsberatung bestätigen.
So legen Sie eine glaubwürdige Gehaltsspanne fest
Die Spanne in der Stellenanzeige ist das sichtbare Ergebnis Ihrer Vergütungsstruktur. Ob sie stimmt, entscheidet sich, bevor die Anzeige geschrieben wird.
Von Marktdaten ausgehen, nicht von der Vergangenheit
Vergleichen Sie die Rolle mit der aktuellen Marktvergütung für dieselben Tätigkeitsinhalte, dasselbe Level und denselben Standort. Spannen, die sich an der letzten Einstellung oder an einer alten Gehaltstabelle orientieren, entfernen sich vom Markt und fallen Bewerbenden, die Gehaltsdaten prüfen, schnell auf. Unser Artikel darüber, warum Gehaltsbenchmarking der Schlüssel zur Einhaltung der EU-Entgelttransparenz ist, erklärt, wie Sie begründbare Spannen aufbauen, und der kostenlose Gehaltsbenchmark zur Entgelttransparenz ist ein praktischer Ausgangspunkt.
Die Einstiegsspanne nennen, nicht das ganze Band
Ein Gehaltsband für eine Rolle deckt in der Regel alle ab, vom Neueinsteiger bis zum langjährigen Experten. Die ausgeschriebene Spanne sollte der Teil des Bands sein, den Sie einer neuen Person auf dem ausgeschriebenen Level tatsächlich anbieten würden, typischerweise vom Minimum des Bands bis etwa zum Mittelwert. Wer das ganze Band ausschreibt, weckt Erwartungen, die er nicht erfüllen wird, und eine so breite Spanne, dass sie nichts mehr aussagt, verfehlt den Zweck.
Wie breit ist „normal“? In den TalentUp-Daten 2026 ist die mediane ausgeschriebene Spanne in Italien 16 % breit, in Spanien und im Vereinigten Königreich 19 % und in Deutschland 27 %. Eine Spanne von 20–30 % (zum Beispiel 50.000–62.000 €) ist ein sinnvoller Richtwert; deutlich breitere Spannen wirken eher wie ein Platzhalter als wie ein echtes Budget. Die gesetzliche Obergrenze von 50.000 CAD in Ontario ist eine nützliche äußere Grenze, kein Zielwert.
Mit den aktuellen Mitarbeitenden abgleichen
Vergleichen Sie die ausgeschriebene Spanne vor der Veröffentlichung mit der Vergütung der Personen, die die Stelle bereits ausüben. Verdienen einige von ihnen weniger als die Spanne, brauchen Sie entweder einen gerechtfertigten, objektiven Grund (zum Beispiel weniger Erfahrung in der Rolle) oder einen Korrekturplan. Unser Leitfaden zu Marktgehältern und interner Gerechtigkeit erklärt, wie Sie mit diesem Spannungsfeld umgehen.
Typische Fehler bei der Veröffentlichung von Gehaltsspannen
| Fehler |
Warum er nach hinten losgeht |
Was Sie stattdessen tun sollten |
| Eine sehr breite Spanne (z. B. 40.000–80.000 €) |
Gibt Bewerbenden keine echte Information und signalisiert, dass Sie nicht wissen, was die Rolle wert ist |
Die realistische Einstiegsspanne für ein Level veröffentlichen; die Anzeige aufteilen, wenn Sie auf zwei Levels einstellen |
| Eine Spanne unter Marktniveau |
Starke Kandidaten bewerben sich nicht oder verhandeln ohnehin nach oben; die Arbeitgebermarke leidet |
Die Spanne auf Basis aktueller Benchmarks für dieselben Tätigkeitsinhalte und denselben Standort aufbauen |
| Vage Formulierungen („bis zu 60.000 €“, „je nach Erfahrung“) |
Bewerbende orientieren sich am Höchstwert und fühlen sich durch niedrigere Angebote getäuscht |
Minimum und Maximum nennen und erklären, wie das Gehalt innerhalb der Spanne festgelegt wird |
| Grund- und variable Vergütung vermischen |
Macht Angebote unvergleichbar und sorgt in der Angebotsphase für Enttäuschung |
Zuerst das Grundgehalt nennen, dann Bonus, Provision oder Unternehmensbeteiligung separat |
| Veröffentlichen vor einer internen Gehaltsprüfung |
Mitarbeitende in derselben Rolle stellen fest, dass sie weniger verdienen als Neueingestellte |
Die Vergütung für die Rolle prüfen und ungerechtfertigte Unterschiede zuerst beheben |
| Unvorbereitete Führungskräfte im Recruiting |
Widersprüchliche Antworten oder unzulässige Fragen nach dem bisherigen Gehalt |
Führungskräfte zu Spanne, Kriterien und unzulässigen Fragen schulen |
Wie Offenheit beim Gehalt schiefgehen kann, lesen Sie in Can Pay Transparency Backfire?.
Checkliste vor der Veröffentlichung
- Definieren Sie Rolle und Level mit einer klaren Stellenbeschreibung, damit sich die Spanne auf eine konkrete Stelle bezieht.
- Benchmarken Sie die Rolle anhand aktueller Marktdaten für dieselben Tätigkeitsinhalte, dasselbe Level und denselben Standort.
- Legen Sie die Einstiegsspanne fest innerhalb Ihres Gehaltsbands und dokumentieren Sie die objektiven Kriterien, nach denen ein Angebot darin eingeordnet wird.
- Gleichen Sie mit den aktuellen Mitarbeitenden ab, die dieselbe Rolle ausüben, und klären Sie unerklärte Unterschiede.
- Schreiben Sie den Gehaltsabschnitt mit der obigen Vorlage: Spanne, Basis (brutto, jährlich oder monatlich), variable Vergütung, wichtigste Benefits und Arbeitsort.
- Prüfen Sie die Formulierungen auf geschlechtsneutrale Berufsbezeichnungen und Sprache sowie auf lokale rechtliche Anforderungen.
- Briefen Sie Führungskräfte und Recruiter zur Spanne, zur Entscheidung über Angebote und, wo die Richtlinie gilt, zum Verbot, nach dem bisherigen Gehalt zu fragen.
- Bereiten Sie die interne Kommunikation vor, denn auch die Mitarbeitenden sehen die Anzeige. Erklären Sie, wie Spannen festgelegt werden, bevor sie es auf einer Jobbörse herausfinden.
- Überprüfen Sie die Spannen regelmäßig, mindestens einmal im Jahr oder wann immer sich der Markt bewegt, damit die veröffentlichten Zahlen glaubwürdig bleiben.
Gehaltsgespräche mit Bewerbenden
Eine veröffentlichte Spanne verändert das Gespräch über das Gehalt. Bereiten Sie Recruiter und Führungskräfte darauf vor:
- Fragen Sie nach Erwartungen, nicht nach der Vergangenheit. „Welche Gehaltsspanne stellen Sie sich vor?“ ist in Ordnung; „Was verdienen Sie derzeit?“ ist in EU-Ländern, die die Richtlinie umgesetzt haben, unzulässig und sollte überall vermieden werden.
- Erklären Sie, wo ein Angebot liegt und warum. Verknüpfen Sie die Position innerhalb der Spanne mit den Anforderungen der Stelle, zum Beispiel Erfahrung mit bestimmten Tools oder Führungserfahrung.
- Bleiben Sie konsistent. Zwei Bewerbende mit ähnlichem Profil sollten ähnliche Angebote erhalten. Dokumentieren Sie die Gründe, wenn das nicht der Fall ist.
- Sprechen Sie über die Gesamtvergütung. Präsentieren Sie Grundgehalt, variable Vergütung und Benefits zusammen, damit Bewerbende den vollen Wert des Angebots verstehen.
Herausforderungen, auf die Sie sich vorbereiten sollten
Interne Gehaltsunterschiede
Der heikelste Moment der Entgelttransparenz ist oft ein interner. Wenn Mitarbeitende eine öffentliche Spanne sehen, vergleichen sie sie mit ihrem eigenen Gehalt. Unternehmen, die ihre interne Gerechtigkeit bereits geprüft haben und erklären können, wie die Vergütung festgelegt wird, gehen gelassen damit um; die anderen stehen vor schwierigen Gesprächen und, im Rahmen der Richtlinie, vor Auskunftsersuchen, die sie beantworten müssen.
Giordano Mettus, HR-Führungskraft und Jurist in Berlin, kam nach einem Austausch mit anderen HR-Verantwortlichen über die Richtlinie zum selben Schluss:
Giordano MettusHR-Führungskraft und Jurist, Berlin
Denn das größte Risiko ist meist nicht die Veröffentlichung von Gehaltsspannen. Das größte Risiko beginnt, wenn Menschen vergleichen, Fragen stellen und klare Antworten erwarten. […] Entgelttransparenz wird 2026 eine der entscheidenden Bewährungsproben für HR: Gelingt es HR, strukturelle Vergütungsprobleme frühzeitig zu lösen – mit klaren Strukturen, verlässlichen Daten und einem glaubwürdigen Dialog mit Mitarbeitenden und Betriebsrat –, bevor daraus formelle Beschwerden oder ernsthafte Streitigkeiten werden?
Sichtbarkeit für Wettbewerber
Veröffentlichte Spannen geben Wettbewerbern Einblick in einen Teil Ihrer Vergütungsstrategie. In der Praxis zirkulieren diese Informationen ohnehin über Bewerbende und Gehaltsplattformen, und in EU-Ländern, die die Richtlinie umgesetzt haben, müssen sie Bewerbenden ohnehin vor dem Vorstellungsgespräch mitgeteilt werden. Eine gut aufgebaute Vergütungsstruktur schützt besser als Geheimhaltung. Unser Artikel darüber, wie viele Gehaltsinformationen Sie teilen sollten, hilft Ihnen zu entscheiden, wie weit Sie über das gesetzliche Minimum hinausgehen.
Fazit
Stellenanzeigen mit transparenter Gehaltsangabe werden in Europa und darüber hinaus zum Standard im Recruiting. Gut umgesetzt bringen sie passendere Bewerbungen, schnellere Prozesse und fairere Angebote. Schlecht umgesetzt, mit zu breiten, unter dem Markt liegenden oder nicht zu den aktuellen Gehältern passenden Spannen, beschädigen sie das Vertrauen innerhalb und außerhalb des Unternehmens.
Den Unterschied macht die Vorbereitung: aktuelle Marktdaten, eine klare Vergütungsstruktur, eine Prüfung der internen Gerechtigkeit und Führungskräfte, die erklären können, wie die Vergütung festgelegt wird. Ist das gegeben, ist die Veröffentlichung des Gehalts kein Risiko mehr, sondern eines der stärksten Signale, die Ihre Arbeitgebermarke senden kann. Einen breiteren strategischen Blick bietet unser Beitrag zu Gehaltstransparenz in Europa als strategischer Aufgabe für HR.
Quellen
- European Union. Directive (EU) 2023/970 to strengthen the application of the principle of equal pay for equal work or work of equal value between men and women through pay transparency and enforcement mechanisms. https://eur-lex.europa.eu/eli/dir/2023/970/oj
- TalentUp. Datenbank für Stellenanzeigen, 22,3 Millionen Anzeigen, veröffentlicht von Januar bis September 2026 (siehe Methodik oben).
- Euronews. EU pay transparency: Are job ads finally getting honest about salaries? (8 September 2026). https://www.euronews.com/2026/09/08/eu-pay-transparency-are-job-ads-finally-getting-honest-about-salaries
- Colorado Equal Pay for Equal Work Act; California SB 1162 (2022); Washington Equal Pay and Opportunities Act; New York Labor Law § 194-b; Illinois HB 3129 (2023).
- British Columbia Pay Transparency Act (2023); Ontario Working for Workers Four Act, 2024 (Bill 149).